Es wird wieder Zeit

Zeit fuer Berlin. Dieses Mal. Ich freue mich ueber jedes Einzelne Erlebnis in Grenaa und Århus. Und bin neugierig auf Berlin. Es wird Zeit fuer daheim.

Was geschah die letzte Woche? Ich schrieb eine Evaluation ueber den Aufenthalt. Die Bibliothek wuenschte sich eine zweite als feedback. Es mussten Berichte und der Europass geschrieben werden. In drei Sprachen. Auf den letzten Druecker bekam ich noch die spannende Aufgabe von Bo, eine deutsche Besteseller Liste zu erstellen. Fuer geplante Ausgaben um den Bibliotheksbestand zu erweitern.  Da fiel mir so einiges ein, dennoch startete ich eine Umfrage via Facebook, was ihr so lest. Das hat Spass gemacht und war sehr hilfreich!

Die letzte Woche zog sich auf der einen Seite und war weg wie nix auf der anderen. Ich durfte in die Bibliothek Gellerup. Diese liegt im „ghettohaftesten“ Stadtteil von Aarhus. Als ich vor 3 Wochen das Wort Ghetto  im Zusammenhang mit DK hoerte, musste ich ein wenig Schmunzeln…und dachte nur: „Ja ne. Is klar!“ ((-: Als ich es mit eigenen Augen sah, glaubte ich es. Nicht nur, weil sich die Leiterin – Lone Hedelund, gleich fuer den Gestank entschuldigte. In dem Gebaeude aus den 70ern –  einem alten Hotel, sei „mal wieder eine Toilette explodiert“. Das passiert und tat den Besucherzahlen an diesem Morgen keinen Abbruch (:

Schadensbegrenzung

In Gellerup leben 80 verschiedene Nationalitaeten. Im Jahr 2009 hatten 2529 einen libanesischen Hintergrund, 974 stammten aus Somalia, 625 Menschen aus der Tuerkei und 502 kamen aus Kuwait. Es gab auch Daenen: Ganze 902.

Wohnungsbaugesellschaften haben hier das Recht, 20% ihrer Wohnungen „zuzuweisen“. Was die Gheottorisierung mit unterstuetzt. Die Kriminalitaet liegt hoch. Oft gab es Aufstaende in Form von kleinen Braenden/Behindern der Feuerwehr in diesem Bezirk. Die meisten Menschen sind hoffnungslos und haben eine schlechte Bildung. Wie schwer es fuer Suedeuropaer/Afrikaner sein muss, unfreiwillig in ein skandinavisches Land zu kommen oder geboren zu werden, kann man sich vorstellen.

Die Bibliothek tut alles, um dies aufzufangen. Und Lone erzaehlte mir in ueber drei Stunden von all den spannenden Konzepten und Angeboten. Das Einzugsgebiet der Biblio ist mitten in eínem Emigrantenviertel. Mit Buechern kann man diese Menschen nicht locken. Also musste das Bibliothekspersonal zu „lebenden Buechern“ werden, wie Lone sagt.

Viele Menschen suchten die Bibliothek auf, um sich Hilfe bei ihren Bewerbungen/Jobgesuchen zu holen. 

Daraufhin wurden Gelder fuer eine „Jobecke“ gesammelt.

Computer wurden eingerichtet. Arbeitsplaetze in Absprache mit der Kommune geschaffen. Von da an gab es eine Plattform, die sich von Jobcentern und Arbeitsagenturen unterschied: Es wurden keine Personalien verlangt, nichts musste nachgewiesen werden oder war von Geldern abhaengig. Lone erzaehlte, dass sich sogar die obersten Vorstaende der Jobcenter in der Bibliothek trafen, um mal beruflich, aber auch ungezwungen miteinander zu sprechen, was alle sehr freute. Der Erfolg sprach fuer sich und wurde erweitert. Da die berufliche Chance eng mit der gesundheitlichen zusammenhaengt, wurde eine „Lebensstil Beratung“ eingerichtet.

Es begann mit Ernaehrungsberatungen und wurde auf ein richtiges „Gesundheitshaus“, mitten in der Bibliothek erweitert.

Man trifft hier jeden Tag qualifiziertes Personal in der Schwangerschaftsberatung und Zahnaerztlichen Versorgung

Krankenliege vor Buecherregal: Hier ganz normal (-:

Natuerlich gibt es neben dem Bibliothekar- und Ausleihbereich auch den Buergerservice. Dieser hilft bei Allem, wo der Schuh drueckt. Kryptische Aemterbriefe gehoeren dazu.

Empowerment und lokale Gesellschaftsentwicklung sind wichtige Saeulen der Bibliothek  Gellerup und ein grandioses Beispiel, wie viel „unter ein Dach“ passt –  auch dem der Welt.

 

Schon ist es Mittag und eigentlich darf ich laengst gehen. Ich schreibe die letzten Zeilen und verabschiede mich. Ich bedanke mich bei Frau Zick und  Frau Rautenstein fuer ihren Einsatz im Rahmen des Leonardo da Vinci Projektes. Der Duden,  Max, Tanja, Grenaas Bibliotek, Århus Bibliotek, Karina, Kim,  Mia,  Kaja, Brian, Bo,  Merete, Louise und bei all meinen Lesern!!

Dänische Romantik

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Also, es ähnelt vielleicht einem Reisebericht. Aber ich arbeite auch, ganz ehrlich! (-:

Heute nahmen Kim und Mia mich spontan mit nach Ebeltoft .

Das liegt im Süden von Djursland und ist einfach hinreißend…aber entscheidet selbst.

Neues aus DK

Die Chefin ist wieder da und nun kommt Schwung in den Laden. Sie war 3 Monate auf Reise in Australien, Thailand, usw….in Daenemark kann man sich unter bestimmten Voraussetzungen ein paar Monate frei nehmen. Aehnlich wie ein Sabbath Jahr bei uns.

Gestern hielt ich einen Vortrag im „Buchcafe“. Es wurde eine schoene location mitten in der Bibliothek aufgebaut und eingeladen waren alle, die Lust auf Kaffee, Kuchen und eine  leckere Buchvorstellung hatten. Ich erzaehlte ueber den daenischen Autor Jakob Ejersbo. Meine erste Idee war, Reklame fuer uns machen. Ich fand jedoch keinen deutschen Schriftsteller, der mich so richtig mitreisst. Ausser vielleicht Wolfram Eilenberger, aber der passte gestern abend nicht. Der Vortrag lief gut und ich war die Einzige, die Applaus bekam. Anschliessend kam noch ein Daene auf mich zu und fragte, warum ich nicht ueber Guenther Grass vortrug. Eher scherzhaft, denn in DK wird auch ueber ihn debattiert und ebenso wie ich findet er es ueberzogen.

Letzte Woche nahm ich an einer guided tour ueber Fossilien teil.

Wir waren bei der „Sangstrup Klippe“, welche sehr beruehmt ist.

Bezaubernde Kulisse

Das sind unsere Fundstuecke. Ich fand die ganzen drei Stunden (neben 100 schoenen Steinen) nur einen Seeigel. Dafuer aber den allergroessten, rechtes auf dem Buch.

Gestern schrieb ich eine ausfuehrliche Pressemitteilung fuer kommenden Monat. Die Bibliothek bleibt naemlich am 18. Mai geschlossen, wegen Umbauarbeiten. Heute schreibe ich noch eine „Annonce“, die sich in der Laenge unterscheidet – sie ist sehr viel kuerzer, und in der Wichtigkeit: Sie muss gedruckt werden. Die Bibliothek zahlt dafuer. Bei Pressemitteilungen entscheiden die Zeitungen, wieviel und ob ueberhaupt etwas gebracht wird von dem, was man Ihnen schickt. In meinem Fall, dem Bericht ueber mein Praktikum, wurde alles eins zu eins uebernommen (-:

Samstag findet hier ein riesen Buchausverkauf statt. Der Keller wird geraeumt und alles zu Flohmarktpreisen verkauft. Ich denke ernsthaft daran, mir Urlaub zu nehmen^^ Ich LIEBE sowas…darf aber nichts kaufen. Muss schon nach einem zweiten Koffer gucken, da mein Gepaeck irgendwie gewachsen ist.

Montagabend gab es eine „Motionstur“. Die findet schon seit 42 Jahren statt. Es gehørt zum Sommerprogramm in Grenaa. Man kann sagen, es ist nur einer Art „Riesenspaziergang in zuegigem Tempo“. Und man liegt auch nicht ganz falsch damit, aber es ist mehr. Es versammelt die Leute und haelt sie in Bewegung. Jeden Montagabend werden fuer 21 Wochen zwischen 8 und 13km gegangen. 5 km/h die Stunde. In Berlin wuerde ich nicht daran teilnehmen, finde das Angebot aber super. Gerade fuer einsame oder aeltere Menschen.

Am Sonntag war ich zu Gast bei Marianne und ihrem Mann Johannes . Wir fuhren direkt  zum Boennerup Hafen. Dort haben wir Fisch gekauft. Fangfrisch. Die hatten ein RIESEN Angebot. Da kann nicht mal Eckernfoerde mithalten. Ich musste die alle fotografieren. Wir assen zu Mittag in deren „Ferienhaus“ (Ich muss „assen“ schreiben, da die daenische Tastatur keine Umlaute und kein „sz“ kennt, sorry!)  Das Haus ist ein Traum inkl. Wellnessbadewanne, Sauna und Solarium. Und nur 5 Min. zum Strand. Ich darf mich jetzt zu einer „Super Duper Freunde Kondition“ hier einmieten, wenn es mich wieder nach Grenaa zieht (-: Anschliessend fuhren wir durch die ganze Region und ich bekam meine Sightseeing Tour. Wir waren von frueh bis spaet unterwegs und es war wirklich schoen.

 

Samstag bin ich bei Louise und ihrem (fast) Mann Robert eingeladen. Ich freue mich jetzt schon. Das Geld fuer kleine „Dankes -Geschenke“ steigt ins unermessliche, aber ich improvisiere einfach. Statt Blumen und Osterkraenze gibt es jetzt einfach Bio Ananasse und Kraeuter Pflaenzchen (-:

Endlich..

passiert hier was. Der Tag begann mit einem Einbruch. Bzw. mit der Entdeckung. Denn der/die Taeter haben scheinbar  auch ’n bisschen ueberlegt: Sie waren naemlich nachtaktiv.. 

 Tatort 

Ganze Arbeit, mit nur einem Stein..

Das verfuehrerische Opfer

Fuer n bisschen Wechselgeld. Die Taeter hatten Zugang zur ganzen Bibliothek und allen Bueros, hatten stundenlang Zeit. …aber sind irgendwie am Suessigkeitenautomaten haengengeblieben ((-: 

 Tatwaffe

 Man weiss nicht, ob die Kippen Beweismittel sind. Die Polizei fand die Sache nicht spannend genug um hierher zu kommen. 

Sind ja immerhin auch 5 Minuten zwischen Wache und Biblio. Die haben bestimmt wichtigeres zu tun in einem Dorf. Ich stell mir das so CSI maessig vor…immer voll busy. Keine Zeit fuer die kleinen Fische.

Mein Ostern

…war Entspannung pur. Obwohl es schon Donnerstag fuer uns begann, verflog die Zeit. Am letzten Mittwoch bin ich zu einer Vernissage gegangen, die in der Baumhøj Mølle stattfand. Dort traf ich dann auch wieder auf meinen „Muehlenfreund“ Jens. Gefeiert wurde das 30 jaehrige Bestehen einer Kuenstlergruppe, die jedes Jahr im April ihre Ausstellung in der Muehle hat. Deshalb auch „Aprilgruppe“. Es waren sehr kreative und ausgeflippte Sachen anzusehen. Und es gab einen 2m x1m grossen Kuchen (:

Abends waren Hans und ich (der andere Gast im Bed & Breakfast)  bei  Ullrich und seiner Frau Viktoria zum Essen eingeladen. Das sind die Besitzer des B&B. Und es gab zwei Sorten selbstgefangenen Fisch fuer uns. Zum einen panierte Scholle. Furchtbar lecker! Und zum Anderen gerauecherten Lachs. Ein Traum. Dazu neue Kartoffeln (also, die ersten des Jahres) sowie die leckerste Sauce Hollandaise, die ich je gegessen habe.  Zum Nachtisch eingemachte Blaubeermarmelade mit Eis. Eine Woche spaeter und ich komm aus dem Schwaermen nicht raus (-:

Mein Osterhighlight war der Besuch im Munkholm Zoo. Die gut 35 km hin und zurueck bin ich mit dem Fahrrad gefahren…was fuer Tiefenentspannung am Abend sorgte. Dort traf ich auf so suesse Tiere, dass sie eine eigene Seite verdienen. Sehr sehenswert! Ich wollte unbedingt Stacheln des Hoehlenstachelschweins haben. Die sind super schoen und lagen im Gehege ueberall rum. Also fragte ich einfach Mick, den Tierpfleger und auf dem Weg dorthin habe ich etwas sehr interessantes erfahren: Er selbst noch in der Ausbildung (die hier 4 Jahre dauert) hat bereits 2-3.000 Tiere erschossen. Eine grosse Spanne..und sicher nicht alle mit ’ner Pistole, aber das waren seine Angaben. Deshalb hat er nicht nur einzelne Stacheln ergattert, sondern ganze Bueschel, die seine Freundin nun fuer Dekozwecke nutzt. Es scheint dem Einen oder Anderen makaber, aber ich nenne das: Gelungene Tierkoerperverwertung. Realistisch und unbuerokratisch. So, wie DK nunmal ist.

Den Tieren geht es hier sehr gut und deshalb gibt es Platzmangel.

Man kann sagen: Ein Luxuslotterleben. Fuer die Ueberlebenden.

Fortpflanzung ist wichtig fuer die Gesundheit und das Selbstbewusstsein. Sterilisation schaedigt das Immunsystem. Warum die Tiere also nicht verfuettern?

Im Zoo habe ich nette Leute aus Braunschweig kennengelernt, das Eheepaar Britta und Lorenz mit ihrem Sohn Jannis. In ihren  drei Wochen Urlaub muessen sie fast taeglich in den Zoo kommen, denn Jannis wird spaeter mal Tierpfleger, wenn er gross ist. Jannis ist sehr tapfer, er steht naemlich ein bisschen auf Rosa. Besser gesagt umgekehrt. Aber seht selbst auf meiner Seite „Munkholm Zoo“.

Tja…was sonst? Unterirdisches Wetter hier. Es wird nicht hell und regnet den ganzen Tag in Strømen. Ich warte noch auf den Plan von Århus. Montag beginnt dort mein Kurzpraktikum.

Heute zieht es mich in die Grenaa Kirche. Dort findet der sogenannte Feierabendtreff statt. Pastor Peter Danielsen erzaehlt von seiner Passion fuer Leonard Cohen und seinem poetischen und religioesen Universum.